Teilhabe in der Seelsorge

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Für Blinde Menschen

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Blinde sehen, Lahme gehen … nur eine Vision?

Vorwort

In der Erzählung von der Heilung des Taubstummen (1) heißt es: „Jesus nahm ihn beiseite, von der Menge weg“, und erst dann wendet er sich ihm zu: „Er legte ihm die Finger in die Ohren und berührte seine Zunge mit Speichel” (2) Was tut Jesus hier?

Er baut zuerst behutsam eine Beziehung zu dem gehörlosen Mann auf, indem er ihn beiseite nimmt und sich seiner Behinderung widmet. Dadurch gibt er ihm Privatheit und nimmt seine Behinderung ernst. In unserer Sprache heute sagen wir: Jesus begegnet ihm auf Augenhöhe. Wenn sich andere in unserer christlichen Gemeinschaft wohlfühlen sollen, müssen wir genau das tun: Wir müssen zuerst behutsam Beziehung aufnehmen, damit Begegnung stattfinden kann; die kann dann auch heilsam werden. Im Beispiel der Heilung des gehörlosen Mannes heißt das: Jesus muss den Mann ansehen, während er mit ihm spricht; erst dann kann der sehen, was Jesus ihm sagen möchte. Für uns heute könnte das heißen, dass ich z. B. mit einem Schwerhörigen deutlich und gut artikuliert spreche, so dass er mich gut sehen und vielleicht von den Lippen absehen kann, was ich sage. An anderer Stelle wird berichtet, dass Jesus einen Blinden heilt. (3) Da fragt er ihn zuerst: „Was willst Du, das ich dir tun soll?“ (4) Klar liegt es auf der Hand, dass er sehen möchte. Jesus stellt die Beziehung zu ihm aber so vorsichtig her, dass er dem Blinden zuerst Gelegenheit gibt, zu sagen, was er möchte. Jesus will ihn nicht bevormunden; er soll sein Anliegen zuerst selbst aussprechen. So zeigt er ihm, dass er ihn ernst nimmt – ein sensibles Vorgehen, das uns im Umgang mit Menschen, die mit einer Behinderung leben, ein Vorbild sein sollte.

Das Ziel in der Seelsorge muss es sein, jedem Menschen unabhängig von seinen körperlichen, geistigen, seelischen, ethnischen, geschlechtlichen oder kulturellen Voraussetzungen so achtsam und interessiert zu begegnen, wie Jesus es uns vorgelebt hat. In unseren christlichen Gemeinschaften müssen wir darauf achten, dass wir behutsam Begegnungen herstellen und so Beziehung zu den Menschen um uns herum aufnehmen.

Dazu stehen uns heute für die Begegnung mit Menschen mit Behinderungen viele technische und mediale Hilfsmittel zur Verfügung. Wir können sehr viel lernen vom Beispiel Jesu: wie achtsam er Begegnung möglich macht und wie daraus heilsame Beziehung entstehen kann. Das vorliegende Heft zeigt Möglichkeiten auf, wie Sensibilität und Offenheit Raum schaffen für Begegnungen in den Gemeinden und Einrichtungen sowie an allen Orten der Seelsorge in unserem Erzbistum. Es beschreibt, wie die Begegnung mit anderen Menschen Beziehung als etwas Heilsames erfahrbar machen kann. Und so kann Kirche zum Raum werden, in dem der einzelne wie auch die Gemeinde aktiv wird, damit alle am Gemeindeleben teilhaben können.

Herzliche Grüße,
Dr. Dominik Meiering · Generalvikar


1  (Mk 7, 31 – 37) 2  (Mk 7, 33) 3  (Mk 10, 46 – 52) 4  (Mk 10, 51)

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